Diese Rubrik gibt Ihnen die Gelegenheit einmal in die Vergangenheit zu reisen und sich über die Dinge zu informieren, die unsere Vorfahren bewegten und den Verein letztendlich zu dem machten, was er heute ist.

 

Die ersten 100 Jahre sind eine Zusammenfassung aus der Festschrift zum 100jährigen Jubiläums des Gesangvereins vom 13. bis 16. Juli 1984.

 

 

Viel Spaß beim Lesen !

Mit Genugtuung kann vorangestellt werden, dass die über 125-jährige Geschichte des Vereins ein stetes Aufwärtsschreiten des Vereins gewesen ist, dank der vorbildlichen Einsatzbereitschaft und Sangesfreude seiner Sänger und Mitglieder, seiner Vorstandschaften und Chorleiter.


 

Die Vereinsgründung 1884 bis zum Jahr 1913


Im Sommer des Jahres 1884 trafen sich acht sangesfreudige Männer zu einem Doppelquartett zusammen. Im Kirchenchor hatten sie ihre gesangliche Schulung genossen, nun wollten sie sich dem weltlichen Liede zuwenden. Hermann Abend und Zacharias Brehm hatten die Männer zu diesem Plan angefeifert. In der Wohnung von Abend fanden sich die Sangesbrüder zu den Proben ein und sangen nach Herzenslust. In kurzer Zeit wurde der Chor so stark, dass man die Gesangstunden in größere Räumlichkeiten verlegen musste. So wurde das Gasthaus “Zum Adler” als Vereinslokal auserkoren.

 

Beim ersten großen Vereinsfest vom 28. bis 30. Juni 1895 wurde die erste Vereinsfahne geweiht. Die Fahnenfabrik Krieg in Freiburg lieferte sie, die heute noch gut erhalten eine Kostbarkeit des Vereins darstellt.

Im Sommer 1909 feierte der Verein sein 25-jähriges Jubiläum, das einen zufriedenen, würdigen Verlauf nahm und zu dem viele auswärtige Vereine als Gäste der “Germania” kamen.

Die Kriegsjahre 1914 - 1945

 

Im Jahre 1914 brach der erste Weltkrieg aus. Der Vorstand und viele mussten in den Krieg ziehen. Am 2. Januar 1919 traf man sich wieder zur ersten Generalversammlung nach dem Kriege. 20 Mitglieder und mit Ihnen die besten Sänger waren nicht mehr dabei.

1923 übernahm der spätere Ehrenvorstand Josef Brehm zum ersten mal die Vorstandschaft. Unter seiner Leitung fand das bis dahin wohl größte Fest in Spessart, das 40-jährige Stiftungsfest vom 31. Mai bis 2. Juni 1924 statt. Dieses Fest war ein großer Gewinn für den Verein. 23 auswärtige Verein kamen zu einem Gesangswettstreit nach Spessart. Die Tagesleistung errang mit 151/2 Punkten “Freundschaft” Durmersheim. Der Verein zählte damals 122 Mitglieder, hiervon waren 54 aktiv.

Im Sommer des Jahres 1934 bestellte der Verein wiederum bei der Firma Krieger eine neue Fahne. Sie wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums am 8. Juli 1934 eingeweiht. Auch diese Jubeltage waren für die aus nah und fern herbeigeströmten Freunde des Gesangs Stunden der Erbauung. Die Mitgliederzahl war auf 132 angestiegen, hiervon waren 52 Sänger.

Während des zweiten Weltkrieges wurden alle wehrfähigen jungen Männer zu den Waffen gerufen. So stagnierte am Anfang des Krieges die Vereinsentwicklung, aber schon im Jahre 1941 wurden die Singstunden wieder aufgenommen. Doch der Fortgang des Krieges legte bald jede Kulturarbeit lahm. Bis zum Kriegsende waren 13 Sänger gefallen und 5 vermisst.

Auch unser Dorf wurde im April 1945, noch kurz vor Kriegsende von feindlicher Artillerie beschossen. Dabei wurde das Wohnhaus des damaligen Schriftführers Karl Brehm an der Neuen Steige in Brand geschossen, wobei alle schriftlichen Aufzeichnungen des Vereins vernichtet wurden.

Die Nachkriegsjahre ab 1946 - 1959

 

Am 8. Februar 1946 stellte Josef Brehm Antrag auf Weiterführung des Vereins beim damaligen Landrat in Ettlingen. Diese Schreiben wurde postwendend zurück gereicht mit dem Verlangen, die Vereinsbezeichnung “Germania” abzuändern, da dieser Name unter der Rubrik “patriotische und supernationalistische Titel” fallen würden. Es war dann Josef Brehm und seinem Neffen Hugo Brehm zu verdanken, die durch zähes und geschicktes Verhandeln erreichten, dass die Militärregierung die Abhaltung einer außerordentlichen Generalversammlung genehmigte und auch der Vereinsname “Germania” weitergeführt werden durfte. Diese denkwürdige Sitzung fand am 11. Mai 1946 statt.

Vom 27. bis 29. Juni 1959 feierte der Verein seinen 75. Geburtstag. Wie bei allen Festen die man hier feiert, war auch diesmal die Bevölkerung mit Begeisterung dabei. Straßen und Häuser waren mit Tannenreisig , Fähnchen  und Girlanden festlich geschmückt. 23 auswärtige Vereine aus der näheren Umgebung waren Gäste der “Germania” und beteiligten sich am Konzert und Ehrensingen. Alle Spessarter Vereine haben den Jubelverein tatkräftig unterstützt. Besonders zu erwähnen war die Musikkapelle “Frohsinn”, die alle Veranstaltungen musikalisch umrahmte und bei den Festchören Ihre Bläsergruppe zur Verfügung stellte. Dieses Fest des ältesten Spessarter Vereins war ein Gewinn für die ganze Gemeinde hat es doch die dörfliche Gemeinschaft erneut kundgetan und dem Chorgesang neuen Auftrieb und Impulse gegeben. Am Ende der Jubiläumstage konnte der Schriftführer mit Genugtuung ins Protokollbuch schreiben, dass das Fest würdig, zur Ehre des Deutschen Chorgesangs und der Vereinsgründer gefeiert wurde. Gebe Gott, dass dem Verein auch weiterhin Idealisten zur Verfügung stehen, die sich für die edle Sängersache einsetzen. Einer dieser Idealisten war der damalige Vorstand und heutige Ehrenvorstand Hugo Brehm, der in die Fußstapfen seines Großvaters Zacharias und Onkels Josef trat und den Verein weiter zielbewusst nach oben führte.

Von 1960 bis zum 100-jährigen Vereinsjubiläum

Im Jahr 1961 wurde der Kinderchor gegründet. Die Begeisterung bei den Jungen und Mädchen war so groß, dass bereits ihr erster Auftritt bei der Weihnachtsfeier 1961 ein schönes Erlebnis für Jung und Alt war.
In den nachfolgenden Jahren wurde besonders viel für die jugendlichen Sänger getan. Erinnert sei hierbei an das Ferienlager in Matrei in Osttirol im August 1969, das für viele Sänger unvergessen bleiben wird.

Bereits im April 1969 erfolgte eine Neugründung des Kinderchors, da der 1961 ins Leben gerufene Chor zwischendurch aus verschiedenen Gründen aufgelöst worden war. Wiederum war die Begeisterung so groß, das bereits nach kurzer Zeit die Zahl der Kinder auf beinahe 100 angewachsen war. Da der Dirigent des Chors, Lehrer Bernd Öder von der hiesigen Hauptschule 1974 aus beruflichen Gründen Spessart verließ und kein geeigneter Nachfolger gefunden wurde, kam die Arbeit mit den Kindern ein zweites mal zum Erliegen.

Zwischendurch war auch wieder mit den jungen Sängern des Männerchors im April 1972 ein weiteres Jugendlager bei Ottenhöfen durchgeführt worden. Otto Weber, der Verantwortliche für Jugendarbeit, war es auch der es anschließend verstand, die Jugendlichen zusammen zuhalten. Aus den losen Zusammenkünften, bei denen zur Gitarre Fahrtenlieder und Schlager gesungen wurden, entwickelte sich unser heutiges Vokalensemble. Ihr erster Auftritt war bereits 1972 bei dem sie sich scherzhaft nach ihrem Organisator “Otto-Taler” nannten.

1979 wurde der heutige Vorstand Harald Kreutz zum ersten mal zum Vorstand gewählt. Er hatte die schöne, wenn auch verantwortungsvolle Aufgabe, den Verein beim 100-jährigen Vereinsjubiläum zu präsentieren und ihn in das zweite Jahrhundert seiner Geschichte zu führen. Im Jubiläumsjahr 1984 zählte der Verein 230 Mitglieder, hiervon gehörten 60 dem Männerchor und 29 der Jugendgesangsgruppe an.

Zum Auftakt des 100-jährigen Jubiläums hatten sich die “Germania”-Mannen sowie die sangesfreudigen Jugendlichen bei einem phantastastischen Silvesterball in der ausverkauften Waldgaststätte regelrechte Knallbonbons ausgedacht. Da rollte ein Programm über die Bühne, das nicht eine Minute Langeweile aufkommen ließ. Fünf Minuten vor Mitternacht blieb gerade noch Zeit, die Sektgläser zum “Prosit Neujahr” aufzufüllen.

Auch beim Jubiläumskonzert am 21. Mai 1984 zeigten die Mitglieder des Gesangvereins was in ihnen steckt. Der Aufbau des Konzerts und seine thematische Gestaltung ließen die 100 Jahre Vereinsgeschichte wie Bilder vorbeiziehen.

Zu den Festtagen vom 13. bis 16. Juli 1984 kamen nahezu 60 Gesangvereine aus dem Albgau und dem nördlichen Landkreis Karlsruhe um dem Gesangverein “Germania” zum 100. Geburtstag zu gratulieren. Dieses riesige Aufgebot von schätzungsweise 2000 Sängerinnen und Sängern entwickelte sich über die Festtage zu einem Chortreffen der Superlative. Spessarts Vergangenheit wurde lebendig beim farbenfrohen Festzug, der einer der Höhepunkte bei der 100-Jahr-Feier war.

 

Die Spessarter Germania ist allemal für eine Überraschung gut.

Am 4. November 1992 trafen sich im Vereinsheim unter Chorleiterin Sonja Reinsfelder und der Vorstandschaft eine Gruppe Frauen um einen Frauenchor aus der Taufe zu heben. 20 Sängerinnen hatten sich zur ersten Singstunde eingefunden. Somit hatte der Verein insgesamt vier Chorgruppen angefangen vom Kinderchor, Vokalensemble, Frauenchor und Männerchor.

Der zahlenmäßig stark gestiegene Kinderchor wird gesplittet in einen Jugend- und Kinderchor, sodass der Verein nun fünf Chorgruppen unterhält.

Die Jahre 1996 bis 2002 sind geprägt durch viele konzertante Veranstaltungen. 1997 wird ein Open-Air Konzert am Vorabend zum Spätzlesfest zu einem grandiosen Erfolg. Ein weiteres Open-Air Konzert mußte im Jahre 2000 kurzfristig wegen Unwetter in den Kindergartensaal verlegt werden und wird auch dort zu einem großen Erfolg. Der Kinder- und der Jugendchor sowie das Vokalensemble veranstalten 2001 ein eigenes Konzert, das viel Beachtung fand. Im Jahre 2002 erhält unser 1. Vorstand Harald Kreutz die Landesehrennadel für seine Verdienste für den Gesangverein Germania und die Arge Spessarter - Vereine.
       
Anlässlich einer Feier in der Klosterruine Frauenalb wird im Jahre 2003 unter der Leitung unserer Chorleiterin Sonja Reinsfelder ein Projektchor gebildet, an dem sich auch der Männerchor maßgeblich beteiligte. Das Vokalensemble und der Gemischte Chor unterstützen den Musikverein Spessart beim Festbankett zum 100-jährigen Jubiläum.
       
Einer Anregung des Kultusministeriums folgend wird 2005 eine Kooperation Schule/Verein mit der Hans Thoma-Schule Spessart unter der Leitung von Sonja Reinsfelder gebildet. Bereits im Folgejahr tritt der Schulchor mit der Kinderversion Zauberflöte auf und bietet ein erstes Zeugnis seines Könnens.
       
Nach einem Konzert 2007 mit allen Gesangsgruppen der Germania gibt unsere Dirigentin Sonja Reinsfelder bekannt, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nur noch den Frauen und den Schulchor weiterführen kann. Für die anderen Chöre beginnt dann die Suche nach einem neuen Dirigenten. Ab Mai 2008 übernimmt Wilfried Puhl den Dirigentenstab bei der Germania.
       
Die Germania feiert im Jahr 2009 das 125 jährige Vereinsjubiläum. Bei einem Festbankett treten alle Chorgruppen mit großem Erfolg auf und umrahmen die Ehrungen langjähriger und verdienter Mitglieder. Dies war auch die letzte Veranstaltung im Kindergartensaal, der uns über 40 Jahre lang gute Dienste geleistet hatte. Das Jubiläumsfest im Juli findet bei gutem Wetter als Open-Air Veranstaltung statt. Das Festprogramm wird auf einer Showbühne präsentiert und von den Gästen als sehr gelungen bezeichnet. Mit einem festlichen Konzert in der Antonius Kirche beendet die Germania das Festjahr. Leider muss Sonja Reinsfelder auch den Frauenchor abgeben, sodass nun alle Chöre unter der Leitung von Wilfried Puhl bis 2014 standen.

 

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